Gesundheits- & Sozialwesen

Sofortige Heraufsetzung aller Personalschlüssel in der Krankenpflege!

Ich arbeite als Krankenschwester im Krankenhaus seit nun mehr 23 Jahren.
Überrascht wird keiner mehr sein wenn man vom Pflegenotstand spricht, weil diesen gibt es seit Jahren und es geht ja irgendwie weiter. Wie fragt keiner, weil solange man nicht selber betroffen ist, warum sollte man sich darum auch kümmern.
Meine Erfahrungen in den letzten Jahren ist sehr deprimierend und ich bin kurz davor den Beruf, eigentlich meinen Traumberuf, komplett zu verlassen, aber so wie mit dem Personal und auch den Patienten umgegangen wird, kann ich nicht mehr ertragen!
Man arbeitet fast immer unterbesetzt und irgendwie schafft man das schon, die Frage ist wie und wer leidet darunter. Der Patient der minimal versorgt wird ( mit der Krankenpflegeausbildung hat das nichts mehr zu tun) und das medizinische Personal ( Krankenpflege sowie auch Ärzte).
Die Patienten erleben gerade eine sehr schlechte Behandlung, da keiner wirklich Zeit hat und wenn man sich noch so bemüht, es läuft einem die Zeit davon.
Letztens sagte mir eine Kollegin: “ Ich bin froh wenn in meinen Dienst alle IRGENDWIE überleben !“ Und das ist eine sehr gute erfahrene Schwester gewesen! Was ist das für eine Einstellung? Verstehen kann ich sie total, weil auch mir geht es teilweise so. Welcher Typ Mensch kann das lange ertragen? Und als wäre das nicht genug, kommt dann die Vorgesetzte um die Ecke und fragt ob man nicht den ein oder anderen Dienst übernehmen kann, es wird selbstverständlich sofort an das soziale Gewissen appelliert, sonst ist ja die Kollegin alleine im Dienst. Ja, das ist ganz schlimm und ich möchte auch
nicht alleine im Dienst arbeiten müssen, aber wer hat den Personalschlüssel fest gelegt??? Wir arbeiten immer am absoluten Limit und sobald sich ein Kollege krank meldet, bricht das komplette System zusammen.
Leider haben sehr viele Kollegen resigniert ganz nach dem Motto „Hauptsache der Dienstplan stimmt und die Chefin ist gnädig und lässt mich in Ruhe.“
Aber ist das ein Leben? Immer auf Abruf, in jedem frei angerufen zu werden, ob man in den oder den Dienst einspringen kann.
Wir fordern die Personalschlüssel in jedem Fachgebiet sofort zu erhöhen.
Und nicht in der „Coronazeit“ auszusetzen wie vom Herrn Spahn am 19.03.2020 angeordnet!

Die Situation in der ambulanten Familienhilfe (Hilfen zur Erziehung)

Wir SozialarbeiterInnen in der Familienhilfe (kurz amb.HzE) sind an vorderster Linie der Coronapandemie. Täglich stehen wir in Kontakt mit Klienten, Ämtern, Behörden, medizinischen- und Bildungseinrichtungen, um den Familien bei ihren täglichen Problemen zu helfen und Gefährdungen des Kindeswohls abzuwenden. Es ist keine Seltenheit, dass man zwischen 15-25 Fälle betreut. Man kann sich schnell ausrechnen, wie viel Menschenkontakt damit an einem üblichen Arbeitstag entsteht.
Nur folgerichtig teilt das Amt für Bildung, Familien und Teilhabe der Stadt Leipzig, in einem Newsletter vom 20.02.2020 mit, dass „Ambulante Hilfen nach §§ 27, 28, 29, 30, 31, 35 und 35a SGB VIII […] auf ein Mindestmaß und auf unabweisbare Einzelfälle zu beschränken“ sein. Soweit, so vernünftig. Nur ist es so, dass in der amb. HzE nur geleistete Stunden am Klienten auch vergütet werden. Damit stellt sich natürlich die Frage, wie wir am Ende des Monats auf unseren Lohn kommen, ohne wirklich schwere Einbußen zu haben.
Und da hört das vernünftige Vorgehen der Stadt auch leider auf. Im Newsletter vom 24.03.2020 heißt es: „Die Erbringung von Leistungen ist derzeit mit dem Ziel der Reduzierung von Infektionen mit dem Coronavirus durch die Allgemeinverfügung des Landes stark eingeschränkt. Für eine Finanzierung nicht erbrachter Leistungen eröffnet die Allgemeinverfügung jedoch keine Möglichkeiten.“ Damit nimmt die Stadt Leipzig billigend in kauf, dass wir SozialarbeiterInnen selber entscheiden müssen, ob wir auf Infektionsschutz, oder auf unsere finanzielle Sicherheit
Rücksicht nehmen.
Dieser Zustand ist untragbar!
Die Stadt Leipzig gibt jährlich ca. 110 Millionen € für Hilfen zur Erziehung aus. Es wäre ein leichtes nun Maßnahmen zu treffen auch in diesen schweren Zeiten Infektionsschutz UND die finanzielle Absicherung seiner SozialarbeiterInnen zu gewährleisten.
Wir fordern sofortige pauschale Zahlung aller Leistungsentgelte, bis zum Ende der Coronapandemie!